Rente Rockt hat exklusiv den unabhängigen Berater der Bernhard Assekuranzmakler GmbH Hamburg Stefan Misselbeck interviewt, um ihm rund um das Thema Riester-Rente auf den Zahn zu fühlen. Kritische Fragen, wie „Ist die Riester-Rente ein Minusgeschäft?“ „Für wen lohnt sie sich?“ und „Warum bringt jeder Finanztest unterschiedliche Testsieger hervor“ werden näher betrachtet.
Interview mit Stefan Misselbeck von der Bernhard Assekuranzmakler GmbH
Sie beraten Ihre Kunden unter anderem rund um das Thema private Altersvorsorge. Die Riester-Rente stellt dabei heute ein zentrales Modell dar. Warum wird die Riester-Rente oft so kritisch gesehen?
Misselbeck: Weil es viele Menschen gibt und viele Meinungen. Das ist jedoch zu pauschal betrachtet. Es gibt kein schwarz und es gibt kein weiß. Ob die Riester-Rente zu der eigenen Planung passt und sich somit für den Einzelnen lohnt sollte man im persönlichen Gespräch klären.
Immer wieder hört man, die Riester-Rente sei in vielen Fällen ein Minusgeschäft. Für wen lohnt sie sich und für wen nicht?
Misselbeck: Auch hier gilt: Es gibt keine pauschale Antwort. Im Gesamten betrachtet, lohnt sich die Riester-Rente für alle. Es ist jedoch wichtig, zu prüfen ob es passt oder nicht. Minusgeschäft? Dies leuchtet mir nicht ein. Bei der Riester-Rente bietet der Staat Ihnen massiv Unterstützung. Sie zahlen den gewünschten Beitrag ein und der Staat legt noch einen beachtlichen Betrag oben drauf. In der Konsequenz bedeutet dies: Sie sparen mit fremdem Geld für Ihre Altersvorsorge.
Es geht bei der Frage des Minusgeschäftes unter anderem darum, dass die Kosten der Anbieter sehr hoch sein sollen und die Rendite zu gering ist, und es sich für bestimmte Berufsgruppen, Geringverdiener aber auch Besserverdienende nicht lohnt.
Misselbeck: Renditeschwach ist immer relativ zu betrachten. Sie geben das Geld an eine Gesellschaft, diese wiederum investiert das im Kapitalmarkt. Je nach dem wie sich der Kapitalmarkt entwickelt fällt die Rendite aus. Dieses Prinzip ist überall gleich – egal ob Sie in einen Fonds, eine Riester-Rente oder ein Riester-Fondssparplan ist. Deshalb ist es wichtig, dass man sich für den richtigen Anbieter entscheidet. Bei der Entscheidungsfindung, welche Gesellschaft die beste individuell passende Riester-Rente anbietet, kann ein Berater helfen.
Das Thema Minusgeschäft sehe ich anders. Der Staat hilft Ihnen beim Sparen – entweder über Zulagen oder über einen Steuervorteil. Der Staat eruiert welche Variante besser passt. Und für Gutverdiener lohnt es sich aufgrund des hohen Steuersatzes immer. Für Geringverdiener ist es wichtig, es genau zu berechnen. Familien mit 5 Kindern profitieren von den hohen Zulagen.
Sie als Riester Inhaber erhalten eine Zulage von 154 Euro. Für jedes Kind das vor 2008 geboren ist, erhalten Sie 185 Euro Zulage, während für Kinder die nach 2008 geboren wurden eine Zulage von jeweils 300 Euro angerechnet wird. Und auch für den Ehepartner wird eine Zulage in Höhe von 154 Euro gezahlt. Der Staat summiert also die Ihnen zustehenden Zulagen und stellt diesen den Steuervorteil gegenüber. Und das Modell bei dem Sie besser abschneiden, wird für das jeweilige Jahr zugrunde gelegt. Sind Sie Zulagen höher als der Steuervorteil, erhalten Sie die Zulagen. Ist der Steuervorteil höher als die Zulagen, wird dieser geltend gemacht. Die Höhe des Steuervorteils ist abhängig vom Einkommen und dem Steuersatz.
Renditeschwäche kann ich ebenfalls nicht erkennen. Der Banksparplan erzielt im Schnitt 2% Rendite, das ist wenig – das ist richtig. Wenn ein Kunde eine hohe Rendite möchte, dann wird eine Riester-Rente abgeschlossen bei der in Aktien investiert wird. Wenn ein Kunde hingegen klassisch oder sicherheitsorientiert ist, wählen wir eine entsprechende klassische Riester-Rente aus. Am Ende des Tages ist es wichtig, dass der Berater im Beratungsgespräch eruiert welches Riester-Modell zu dem Kunden passt.
Das heißt, Sie können Ihren Kunden auch im Detail vorrechnen, dass sich die Riester-Rente für sie lohnt?
Misselbeck: Ja. Wenn der Kunde sagt: „Ich habe 100 Euro und möchte diese in Riester investieren“ dann eruieren wir, ob es passt und sich für den Kunden lohnt. Finden wir jedoch eine Vorsorge-Möglichkeit die gewinn bringender für den Kunden wäre, weisen wir ihn darauf hin und empfehlen ihm, das Geld in die zu ihm passende Vorsorge zu investieren. Letztlich entscheidet der Kunde was er möchte, nach dem wir ihm seine Möglichkeiten umfassend dargestellt haben.
Häufig hört man, die Riester-Rente rechne sich erst, wenn man ein gewisses Alter z.B. 92 erreicht hat. Lohnt sich die Riester Rente auch, wenn ich nur 72 Jahre alt werde?
Misselbeck: Das sind die Kritiker die sagen „Mein eingesetztes Geld rechnet sich erst ab 92“. Hier kommen die Sterbetafeln ins Spiel. Ich jedoch sage, wenn Sie von 30 – 67 in die Riester-Rente einzahlen bekommen Sie in dieser Zeit auch Geld vom Staat geschenkt – im Idealfall die Hälfte der Beiträge – und aus dieser gesamten Summe wird dann die Rente berechnet. Das heißt, der Zeitabstand halbiert sich schon mal. Hinzukommt wenn Sie jetzt gesunde 30 Jahre alt sind, gelten die Sterbetafeln von heute. Aufgrund des Gesundheitssystems in Deutschland wird sich die durchschnittliche Lebenserwartung jedoch um einige Jahre erhöhen. Das heißt, wenn Sie 67 Jahre alt sind und sich einer guten Gesundheit erfreuen, bestehen durchaus gute Chancen dass Sie 92 Jahre und älter werden. Wenn sie jedoch zu früh von dieser Welt gehen, erhalten Ehepartner und Kinder die Beiträge der Riester-Rente die noch nicht ausgezahlt wurden und die Rente ist nicht verloren.
Oft hört man auch von den Riester Kritikern, dass auf die staatlichen Zulagen erst ab einem Alter von 80 Jahren zugegriffen wird. Wie verhält es sich damit?
Misselbeck: Das verstehe ich technisch gar nicht. Die Zulagen erhalten Sie jetzt. Kritiker argumentieren häufig, dass der Steuersatz in 30 Jahren heute noch nicht bekannt ist. Das weiß ich natürlich zum jetzigen Zeitpunkt auch nicht. Was ich jetzt weiß, ist dass Sie jetzt – wenn es gut läuft – eine Förderung von 50% haben, d.h. Sie sparen 100 Euro und bekommen 50 Euro geschenkt. Das ist der Hebel den Sie jetzt haben. Im Alter wird die Rente dann besteuert, das ist richtig. Aber in der Regel – wenn Ihre Einnahmen eine gewisse Grenze nicht überschreiten, liegt der Steuersatz im Alter bei 20 – 25%.
Bei der Frage nach den Zulagen geht es den Kritikern vorrangig auch darum, dass ich in den ersten Jahren meiner Rente meine eigenen Beiträge also das was ich selbst in die Riester-Rente eingebracht habe erst ab einem gewissen Alter – also zum Beispiel ab 80 Jahren auf die Zulagen zurückgegriffen wird.
Misselbeck: Am Ende der Einzahlungszeit haben Sie einen gesamten Geldtopf sagen wir mit 100.000 Euro, auf den zurückgegriffen wird. Dieser „Geldtopf“ setzt sich zusammen aus einer Mischung aus Zinsen, Ihrem eingezahlten Geld und den Zulagen des Staates. Und aus diesem „Gesamttopf“ wird die monatliche Rente gezahlt. Die durchschnittliche monatliche Rente ist somit entsprechend höher, desto mehr sich in diesem „Gesamttopf“ befindet. Die Höhe der jeweiligen Rente ist festgeschrieben aufgrund der Rentenziffer und der Sterbetafeln, was den Rentenfaktor ergibt. Dieser Rentenfaktor wird im Vorfeld definiert und auf dessen Basis wird die Rente lebenslang ausgezahlt.
Sie sagten vorhin, dass die Riester-Rente im Todesfalle auf den Ehepartner bzw. die Kinder übertragen werden kann. Bieten das inzwischen alle Riester-Rente Verträge an?
Misselbeck: Die guten Riester-Rente Anbieter haben diesen Punkt inzwischen mit aufgenommen. Die weniger guten Anbieter ermöglichen immerhin eine Nachtragung in dem man – wenn der Riester-Renten Inhaber stirbt, mit sofortiger Wirkung für den Hinterbliebenen ein Rucksack-Riester also Mini-Riester aufsetzt und das Kapital des Verstorbenen in diesen Rucksack-Riester überträgt.
Die Riester-Rente wird zwar in Form von Zulagen und Steuervorteilen gefördert, jedoch wird die Rente im Alter versteuert. Wo liegt der monetäre Vorteil für den Kunden?
Misselbeck: Der monetäre Vorteil ist stark abhängig von der persönlichen Situation des Kunden. Singles genießen den Steuervorteil und Familien mit vielen Kindern profitieren von den hohen Zulagen. Der Staat eruiert jedes Jahr, wo der Hebel für den Kunden größer ist. Es gibt pro Kopf eine Zulagen Pauschale – für Erwachsene und Kinder – das heißt je mehr Kinder Sie haben, desto mehr Kopf-Pauschalen erhalten Sie. Je mehr Einkommen Sie haben, desto mehr lohnt sich der Steuervorteil. Ihr zuständiges Finanzamt berechnet also jedes Jahr, welcher Geldfluss sich für Sie mehr lohnt.
Wenn es dann zur Auszahlung der eingezahlten Beiträge kommt, werden diese voll versteuert, ist das richtig?
Richtig. Die Rente wird mit dem zum Zeitpunkt der Auszahlung gültigen Steuersatz versteuert.
Dies ist auch ein Punkt, der von Kritikern oft als Argument gegen die Riester-Rente verwendet wird. Ist das bei anderen Altersvorsorge Modellen auch so?
Misselbeck: Es ist so, dass seit dem 1.1.2005 das Alterseinkünftegesetz greift, was parteiübergreifend beschlossen wurde. Dieses Gesetz besagt, dass im Alter alle Sparformen besteuert werden. Egal ob sie in Fonds investieren, Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung beziehen, eine normale Rentenversicherung, betriebliche Altersvorsorge, Basis oder Riester-Rente haben – im Alter wird immer eine Steuer fällig. Momentan liegt dieser Steuersatz bei 20-25% und steigt entsprechend mit den Einkünften. Im Alter einen hohen Steuersatz zu haben, bedeutet also, dass Sie hohe Einkünfte haben, was Ihnen zu wünschen ist. Die meisten Menschen liegen jedoch bei einem Steuersatz von 20-25% – ein Grund mehr jetzt in der Erwerbsphase zu eruieren mit welchem Altersvorsorgemodell ein Kunde die größtmöglichen Steuervorteile hat. Und das ist eben einfach die 2. Schicht der Altersvorsorge, in der sich die Riester-Rente befindet, denn bei der Riester-Rente gibt es wie gesagt im Idealfall eine Förderung bis zu 50%.
Wo ist der Unterschied zwischen der klassischen und der fondsgebundenen Riester-Rente?
Misselbeck: Bei einer normalen Riester-Rente ist es so, dass Ihre Beiträge garantiert sind mit einer Verzinsung von momentan 2,25%, das heißt das ist auf jeden Fall sicher. Die klassische Variante nimmt dann die Überschüsse, welche aufgrund des guten Wirtschaftens des Versicherers entstehen, und investiert diese im klassischen Bereich nur in klassische Papiere, die im Schnitt maximal 3,5%-4% erwirtschaften während bei den fondsgebundenen Riester-Renten diese Überschüsse in Fonds investiert werden. In welche Fonds investiert werden soll, entscheiden Sie selbst.
Ich persönlich bevorzuge für junge Menschen das Fonds-Sparen, da Sie aufgrund der Beitragssicherheit, aufgrund des Garantiezinses bereits ein Sicherheitsnetz haben, das heißt der Rest kann investiert werden. Wenn Sie sich für die klassische Variante entscheiden, haben Sie Ihr Geld doppelt gesichert mit der Garantieverzinsung Ihrer Beiträge und den Überschüssen die in Papiere investiert werden, die 1%-2% mehr erwirtschaften als die Beiträge mit Garantieverzinsung. Auf lange Sicht wäre dies schade, weil Sie Ihr Geld anders mit einer höheren Verzinsung anlegen könnten.
Bei Menschen von z.B. 55 Jahren kann eine klassische Riester-Rente hingegen sinnvoll sein. Der typisch junge Sparer sollte jedoch die Chance des Aktienmarktes aktiv angehen.
Finanztests bieten Hilfestellung dabei, gute Riester-Rente Anbieter zu finden. Die einzelnen Finanztests liefern jedoch oft unterschiedliche Ergebnisse für empfehlenswerte Tarife. Wie kommt dieser Unterschied zustande? Zum Beispiel stellt die Stiftung Warentest im Ergebnis andere Top 10 der Versicherer dar als das Institut für Vorsorge und Finanzplanung. Wie kommen diese Unterschiede zustande?
Misselbeck: Die unterschiedlichen Ergebnisse ergeben sich aus der Tatsache, dass die jeweiligen Institute unterschiedliche Test-Kriterien anlegen. Wichtig ist darauf zu achten, ob im Rahmen der Tests folgende Kriterien untersucht wurden:
Wie ist die Riester-Rente strukturiert, d.h. wie ist die Fondspalette? Wie ist die Riester-Rente im klassischen Investment aufgestellt?
Wie hoch ist die Rendite?
Wie ist die Kostenstruktur des jeweiligen Versicherers, d.h. wie hoch sind die Kosten der Riester-Rente?
Vernachlässigt werden können Punkte wie Service betrachtet werden, wenn Sie einen guten Berater haben. Dieser kümmert sich nicht nur um den Abschluss Ihrer Riester-Rente sondern auch die weitere Strukturierung und alle anderen Fragen.
Weiterhin ist zu beachten, dass im Laufe der Zeit immer neue Riester-Verträge auf den Markt kommen, die dann in die aktuellen Tests mit einbezogen werden.
In welchem Alter sollte man idealerweise eine Riester-Rente abschließen?
Misselbeck: Auch das ist immer im Einzelfall zu betrachten. Wenn Sie zum Beispiel Einzelkind sind und 5 Häuser erben werden, geht es in erster Linie um Vermögensschutz. Ältere Menschen, die bisher noch keine Vorsorge für das Alter getroffen haben, sollten sich so schnell wie möglich um eine umfassende Altersvorsorge kümmern. Letztendlich kann jeder der förderfähig ist, eine Riester-Rente abschließen und es ist im Einzelfall zu prüfen, ob die Riester-Rente das passende Altervorsorge-Modell ist. Wie bei vielen Sparmodellen, zum Beispiel auch der betrieblichen Altersvorsorge, gilt: Je früher Sie mit der Ansparphase beginnen, desto mehr erhalten Sie in der Rentenzeit, da das Geld wesentlich länger „arbeitet“. Wer früh anfängt, kann mit wenig Geld mehr erreichen.
Sollten bzw. können Studenten auch schon eine Riester-Rente abschließen?
Misselbeck: Ja, sobald Studenten sozialversicherungspflichtig sind, macht Riestern Sinn. Wenn Sie dann nach dem Studium nicht angestellt sein sollten, könnten Sie die Riester-Rente ruhen lassen und dann wieder aufleben lassen, wenn Sie sich in einem Angestelltenverhältnis befinden. Die Riester-Rente ist extrem flexibel. Wenn Sie jetzt förderfähig sind, bekommen Sie Geld vom Staat und es macht in meinen Augen keinen Sinn, das Geld zu verschenken. Helmut Schmidt sagte vor kurzem: Wer die Pflicht hat, Steuern zu zahlen hat auch das Recht Steuern zu sparen. Und das trifft die Riester-Rente ganz gut.
Haben Sie selbst auch eine Riester-Rente?
Misselbeck: Nein, ich bin ja freiberuflich tätig. Aber meine Frau hat eine Riester-Rente, denn sie ist förderfähig.
Wie sorgen Sie als Selbständiger vor?
Misselbeck: Ich habe Schicht 3 Produkte – also fondsgebundene Rentenversicherungen und ich habe eine Basis-Rente (Rürup-Rente). Desweiteren habe ich ein paar Fonds – aufgrund der Flexibilität.
Vielen Dank Herr Misselbeck für diesen Einblick in brisante Fragestellungen rund um die Riester-Rente.
schöner Beitrag, aber irgendwo hatte ich dazu noch was Gegensätzliches gelesen, finde nur die URL nicht mehr!